Normalerweise unterstützt unsere Stiftung keine Anfragen von Einzelpersonen. Bei Lotta Nickel und ihrem einjährigen Freiwilligendienst für Aktion Sühnezeichen im hohen Norden Norwegens haben wir eine Ausnahme gemacht. Wir kennen das Land und wissen, was es für eine junge Frau bedeutet, nach dem Abitur dort ein Jahr in einem Kindergarten zu arbeiten.
Hier ist ihr Bericht:
Hier, mitten im Norden Norwegens, ist es fast das ganze Jahr kalt und windig. Aber hier in Alta, das zwischen Bergen direkt am Fjord liegt, ist es ein bisschen geschützter. Es ist im Winter zwar oft sehr kalt, aber dafür windstill. Alta wird auch die „Stadt der Nordlichter“ genannt. Viele Touristen kommen hierher, was verständlich ist: diese Stadt ist einzigartig.
Hier bin ich gelandet, mit 18 Jahren, direkt nach meinem Abitur. Ich hatte mich entschieden, mit der Organisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ einen Freiwilligendienst in Norwegen zu leisten. Vor genau einem Jahr habe ich erfahren, dass ich angenommen wurde und mir eine Stelle in dem Kindergarten „Breverud Barnehage“ angeboten wurde.
Hier arbeite ich jetzt seit einigen Monaten, und ich wurde von einigen Dingen überrascht. Nach nur kurzer Zeit zum Beispiel konnte ich die Sprache besser verstehen als gedacht. Meine Kolleginnen waren geduldig mit mir und haben auch gerne Englisch und Norwegisch gemischt. Die Kinder allerdings haben seit dem ersten Tag einfach angefangen, auf mich einzureden. Morgens sitzen wir zusammen beim Frühstück und sie erzählen mir von ihren Haustieren, dem Besuch beim Schwimmbad und davon, was sie tun würden, wenn Dinosaurier plötzlich wieder leben würden. Es ist aufregend, die Kinder jeden Tag etwas besser kennenzulernen und leichter mit ihnen kommunizieren zu können.
Meistens habe fange ich um acht Uhr an zu arbeiten. Zum Kindergarten brauche ich zu Fuß eine halbe Stunde. Mittlerweile ist es hell, wenn ich morgens zur Arbeit gehe, aber das war noch vor kurzem anders. Die „mørketid“, also die Dunkelzeit, hat erst vor im Januar geendet. Über mehrere Wochen hinweg war die Sonne nicht zu sehen, und nur ein oder zwei Stunden blau-rosafarbenes Tageslicht war zu sehen, während der „blåtime“, die sich anfühlt wie ein sehr langer Sonnenaufgang. Anders als erwartet war die fehlende Sonne für mich gar nicht so schlimm. Im Gegenteil war es eher ein Anlass, die Wohnung in der Weihnachtszeit extra zu schmücken, sich gemütliche Nachmittage zu machen und die Sonne umso mehr zu wertschätzen, als sie Ende Januar dann doch wieder schien.
Dieser Ort ist voller besonderer Naturphänomene, nicht zuletzt natürlich die Nordlichter, die ich an manchen Abenden aus meinem Küchenfenster sehen kann. Die Umgebung ändert sich ständig durch das Licht, den Schnee und das Meer. Sogar die Kinder, die genau hier aufwachsen, scheinen zu wissen, an was für einem besonderen Ort sie leben.Aktion Sühnezeichen hat noch an vielen anderen Orten Stellen, und jeder Freiwilligendienst ist einzigartig. Somit auch vielen Dank für die Unterstützung, ohne die solche Freiwilligendienste nicht möglich wären.
